Rotorua

Gestern morgen klingelte pünktlich um 8 der Wecker, sehr zur Freude aller Beteiligten. Aber es half ja nichts, wir hatten einen Termin einzuhalten: Der Lady Knox Geysir im Wai-O-Tapu Thermal Wonderland bricht nämlich jeden Morgen um 10:15 Uhr aus, und so eine Eruption wartet eben nicht auf deutsche Touristen. Also wurde wie immer ein schnelles Frühstück bereitet, die Sachen wurden in die Rucksäcke gestopft und um 9 ging es los in Richtung Geysirfelder.

Pünktlich, wie wir Deutschen eben sind, standen wir um halb 10 an der Kasse und lösten unsere Ticksets und um 09:45 Uhr saßen wir auf den eigens für den Geysir aufgestellten Bänken und warteten gespannt auf das, was da kommen möge. Es stellte sich im Nachhinein als sehr gut heraus, dass wir so früh dran wahren, denn zwanzig Minuten später drängten sich die Menschen um den Geysir, auf Selfie-Sticks montierte Gopros wurden Rücksichtlos zwischen die Zuschauerköpfe gesteckt und in den Massen fanden wir etwa vier Pärchen, die wir irgendwo auf unserer Reise schonmal getroffen hatten: Das ältere Ehepaar, das neben mir am Flughafen in Dubai stand, als ich Probleme beim Check-In hatte, die beiden jungen Franzosen aus Tutukaka, die Familie, die beim Parasailing mit mir im Boot saß und noch so manch andere flüchtige Bekanntschaft. Das Land ist eben nicht sehr groß, und wenn hier fünfhundert Menschen in deselben Zeitraum dieselben Hauptattraktionen angucken, dann tifft man sich eben hier und da mal wieder. Jedenfalls – der Geysir.

Pünktlich um 10:15 Uhr sprang ein kleiner Neuseeländer auf Schaufeld, hielt sich ein Mikrofon vor die Nase und erzählte kurz etwas übeGeschichte und Entdeckung des Geysirs, wobei er augenscheinlich versuchte, lustig zu sein, was ihm aber irgendwie nicht so recht geland. Störte mich wenig, nach zehn Minuten hatte es sich ausgewitzelt und der Katalysator, ein Beutel voller organischer Seife, verschwand im Geysirkrater. Hätte mich auch irgendwie gewundert, wenn Mutter Natur von alleine einen Geysir hervorgebracht hätte, der jeden Morgen pünktlich um 10:15 Uhr VON ALLEINE ausbricht – zumal die hier in Neuseeland ja auch Sommer- und Winterzeit haben, und spätestens dann wäre es etwas unheimlich geworden.
Also. Der Beutel verschwand, es blubberte ganz viele Blubberblasen, dann gab es ein markerschütterndes Grollen und eine 20 Meter hohe Fontäne. Sah nicht schlecht aus. Stank übrigens wie die Pest. Ich hab Fotos, wie gesagt, sobald sich die Möglichkeit ergibt wird das gesammelte Bildmaterial hier aus Neuseeland nachgereicht. Nach Ende dieses Naturschauspiels ging es zurück in den eigentlichen Geysirpark, das Thermal Wonderland, um den rest der verschiedenen Schwefelseen und –Krater zu begutachten. Zwei Studen lang spazierten wir durch diesen Park, und es boten sich uns wirklich atemberaubende Bilder: Überall brodelte und kochte es, es gab Seen in Textmarkergelb und –grün, tiefe Krater, dampfende Seen, Rotorange Pfützen – ein einmaliges Naturschauspiel. Einziger Nachteil: Es STANK wie die Pest. Ich denke, die Meisten von euch kennen den Geruch von Schwefel, falls nicht, stellt euch einfach vor, ihr hättet eine Zwölferpackung Bioeier im Auto vergessen, das Auto bei 35 Grad in der Sonne geparkt und da dann drei Monate stehen lassen. So wie die Eier dann riechen., so riecht Schwefel. Nur schlimmer. Ehrlich, so wunderschön so mancher Ausblick auch war, den ein oder anderen Aussichtspunkt musst e ich einfahch sofort wieder verlassen, sonst hätte ich blank in die Ecke gebrochen. Zu dem Gestank kommt ja auch noch das unangenehme Gefühl, dass man sich die pure Säure in die Lungen zieht – keine sehr angenehme Erfahrung. Zu Beruhigung des Magenschleimhäute gab es hinterher einen kaffee mit viel Milch. Soll ja gegen Übersäuerung Helfen.
Als wir alles gesehen hatten machten wir uns auf den Weg nach Taupo, unserem nächsten Reiseziel. Sehr schön am Lake Taupo gelegen ist auch Taupo wie so viele Orte hier eine Kleinstadt mit allem, was man eben so braucht. Bin mir nicht sicher, ob ich das schonmal erwähnt habe, aber was mir hier in Neuseeland wirklich fehlt sind mal vernünftige Großstädte. Selbes Problem wie in Helsinki: Keine Menschen, keine Großstadt. Ich freu mich auf Berlin, ehrlich.
In Taupo checkten wir also ins Hostel ein und entschieden uns, den Rest des Tages einfach mit Faulenzerei zu verbringen. Aus irgendeinem Grund hatten wir beide in der Nacht zuvor nicht allzu gut geschlafen (es war Vollmond, daher kenne ich zumindest bei mir den Grund für die unruhige Nacht) und fühlten uns merkwürdig erschöpft. Wenn ich raten müsste würde ich ja sagen, wir hatten beide etwas viel Sonne und etwas zu wenig Wasser abbekommen – aber wer weiß. Letzter Akt des Tages war jedenfalls nur noch ein kurzer Spaziergang zum nahe gelegenen McDonalds und das Schnorren des kostenlosen WiFis bei Burger King, bevor wir us in unsere Betten verkrochen, Musik hörten, Fernseh guckten und die Welt einfach mal Welt sein ließen. Das ist zwar ein Luxusproblem, aber dieses Rumgereise ist auf die Dauer auch echt anstrengend, und wenn man es sich dann mal leisten kann ein bisschen nichts zu tun nutzt man die Gelegenheit gerne.
Soviel zum gestrigen Tage!
Alles Liebe,
Klara

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