Eilat: Trump, Raketen, Flamingos, Joints

Ein Servicehinweis: Begonnen habe ich mit diesem Blogpost vor über einer Woche. In der Zwischenzeit hatte ich das Glück, auch mal ein Israelisches Krankenhaus von innen sehen zu dürfen und sogar Patientin eines israelischen Chirurgen zu werden, was sagt man dazu? Richig, dieses Glück hat nicht jeder! Mittlerweile bin ich wieder zu Hause, die ganze Story gibts natürlich zu späterer Stunde hier auf dem Blog. Leider hat dieses Intermezzo zur Verzögerung dieses Berichtes hier geführt – ich hoffe, ihr verzeiht mir und genießt ihn trotzdem, jetzt, eineinhalb Wochen später. Vorhang auf und viel Spaß!

Da hat Trump ja mal wieder einen echten Treffer gelandet, was? Ja, das kann man wohl so sagen. Was ich auch schonmal sagen kann, ist, dass sich die Israelis von der aktuellen Situation herzlich unbeeindruckt zeigen, und auch mir Angst sehr fern liegt. Es gibt nämlich keinen Grund zeur Sorge. Um das ein bisschen zu illustrieren, hier mein Bericht von vergangener Woche, als Trump Jerusalem zur Israelischen Hauptstadt gemacht und die gute Inge mir einen Besuch im gelobten Land abgestattet hat.

Inge und ich saßen in einem Mietwagen in Richtung Süden. Ich hatte uns bei Hertz einen Kleinwagen besorgt und wir flogen über die langen Landstraßen durch’s wüstige Nichts, welches mit Voranschreiten der Zeit immer tiefer im Dunkel der Nacht verschwand. Dieses Mal nahmen wir den mautpflichtigen Highway 6, denn Trump hatte wenige Tage zuvor einige Palästinenser verdammt sauer gemacht, und die schossen aktuell mal wieder Raketen aus Gaza gen Israel. Da vermeidet man die unmittelbare Nähe zu Gaza doch lieber und nimmt die 15€ Maut in Kauf.

Die Fahrt war irgendwie verrückt. Wir wussten, dass wir durch die Wüste fuhren, ich wusste, wie der Weg eigentlich aussehen musste, nur sahen wir beide nichts. Nichts. Die Wüste ist im Allgemeinen eher schlecht beleuchtet, und so war uns, als führen wir sundenlang duch einen Tunnel aus Serpentinen und witzig beschilderten Kreuzungen.

Hier und da wurde eine Pipipause eingelegt. Einmal in direkter Nähe zu einer Militärbasis, nicht weit von der Straße. Ich hatte bereits auf dem Weg dahin das helle Licht lauter Explosionen beobachten können, war aber überzeugt davon gewesen, dass Gaza bereits zu weit hinter uns lag, als dass wir hätten in ernster Gefahr sein können. Außerdem hörte ich keine Sirenen. Kein Grund zur Sorge also. Bei Anblick der Anlage war dann alles klar. Da standen Panzer am Straßenrand, ein hoher Stacheldrahtzaun umschloss einige Hektar Wüste, und als wir einige Kilometer hinter dem Stützpunkt aus dem Auto stiegen, waren, als wir da so in den Büschen hockten, weder die Explosionen noch die ratternden Maschinengewehrschüsse zu überhören.

„Es ist lange her, dass ich Angriffe in so unmittelbarer Nähe gehört habe. Schon ein bisschen komisch.“

sagte Inge.

Das konnte ich nun leider nicht mehr von mir behaupten. Da wurde mir schmerzlich bewusst, wie schnell man sich an sowas gewöhnen kann. An bewaffnete Soldaten neben sich im Bus. An Sicherheitsschleusen und Sirenen, an Schutzbunker und an das Damoklesschwert, welches in Form von Hezbollah, Hamas und dem Iran ständig über einem schwebt. Es ist ein eigenartiger Schutzmechanismus, diese Gleichgültigkeit, die man wohl erst verstehen kann, wenn man sie einmal erlebt hat. Ihr in Deutschland macht euch Sorgen, während hier kein Hahn nach Raketen und Guerillaattacken kräht. So habe auch ich keine Angst, mache mir keien Sorgen. Weil es dafür keinen Grund gibt, und, weil die Israelis auf einen abfärben. Sorgen machen ist was für Ausländer, Krieg ist unser Alltag, und wir sind ziemlich unbeeindruckt. So der Tenor. Das beruhigt.

Um neun Uhr abends erreichten Inge und ich unser Hotel in Eilat. Am Horizont sahen wir ob der schlechten Lichtverhältnisse nur einige Hotelburgen, welche sich an der Küste zum Roten Meer drängten. Das Rote Meer. Da war es. Und da war ich. Wieder was gesehen. Aber am nächsten Morgen, in besseren Lichtverhältnissen, sollten wir noch einige mehr beobachten.

Am nächsten Tag wurden erstmal die News gecheckt. Irgendwie warteten alle auf die Intifada, die nicht kam, aber in Sderot waren tatsächlich Raketen heruntergekommen, und das Israelische Militär hatte begonnen, nach Gaza zu feuern. Sderot war genau die Stadt am Gaza-Streifen gewesen, durch die die Reisegrppe Kriegsgebiet und ich am vergangenen Wochenende gefahren waren, um den Highway 6 zu vermeiden. Inge und ich stellten fest, dass die 15€ Straßenmaut doch eine gute Investition gewesen waren, schmissen uns in unsere Sommerklamotten und wanderten los in die Stadt. Erstmal gucken.

Vor dem Hotel dann der Ausblick, den wir am Vorabend so schmerzlich vermisst hatten: Am Horizont erstreckten sich die jordanischen Gebirgsketten gen Unendlichkeit. Wieder einmal möchte ich euch einladen, euch eine Karte von Israel anzusehen. Die Küste zum Roten Meer ist verdammt, verdammt kurz. Nur einen Steinwurf entfernt liegen Jordanien und Ägypten, und zwischen diese beiden Staaten kuschelt sich das kleine Eilat mit seinen Hotels und Schnorchelstränden. Bei 25 Grad und Sonne marschierten wir über den Markt hin zur Touristeninformation. Wir hatten 24h, die es effizient zu füllen galt.

Eilat fühlte sich wie eine echte Touristenstadt an. Ordentlich viele Russen und Israelis auf Wochenendurlaub, Palmen, ästhetisch fragwürdige Gebäude, einige Designeroutlets, denn in Eilat zahlt man keine Steuern (und fragt mich bitte nicht, warum). In einem Einkaufszentrum fanden wir die Touristeninformation, in der ein End-Zwanziger Israeli mit dunklem Bart und wuschigem Dutt auf seinem Bürostuhl hing und sich vor allem erstmal nicht stressen ließ.

„Gib mir mal die Karte da hinten. Ja, genau, die da. Danke. Wollt ihr ein paar Waffeln?“

Zwanzig Minuten lang unterhielten wir uns mit dem jungen Mann, einem Tourismusstudenten, der zuvor 2.5 Jahre in Neuseeland gelebt hatte und es spannend fand, dass Inge und ich uns genau da kennengelernt hatten. Inge mümmelte Zitronenwaffeln, während wir einen Plan für unseren Eilat-Tag schmiedeten.

Eine Stunde später waren wir beim Eilat Birds Observatory angekommen. Der Weg hatte uns direkt am Grenzübergang nach Jordanien vorbei geführt, hin zu einem Park, in dem Besuchern kostenlos Aussichtsplattformen, Schautafeln und Ferngläser zur Verfügung gestellt worden war. Offenbar ist Eilat einer der Orte, an dem die Zugvögel aus Europe im Winter besonders gern Pause machen, nur war gerade irgendwie nicht so die Jahreszeit dafür. Wie ihr in Deutschland sicher bestätigen könnt, sind die Vögel doch schon vor einer ganzen Weile bei euch verschwunden. Trotzdem gab es ein paar seltsam ausehende, stelzbeinige Wasservögel zu beobachten, genauso wie einige nicht-pinke Flamingos. Vor allem aber genossen wir die Ruhe. Einfach mal sitzen, auf’s Wasser starrin, in dem Flamingos nach Nahrung suchen, und die beeindruckenden, Jordanischen Berge am Horizont bewundern. Schön.

Zweiter Stopp war der Coral Beach. Auf der Suche danach landeten wir versehentlich mit unserem Kleinwagen am Grenzübergang nach Ägypten. Das geht da unten aber auch schnell! Also machten wir vor der Schranke kehrt und parkten unser Auto neben einem vielversprechenden Schild mit der Aufschrift „Coral Beach“.

Eilat ist bekannt für sein einzigartiges Korallenriff, einer der beliebtesten Schnorchel- und Tauchspots der Welt. Nicht, dass ich von sowas Ahnung hätte. Man hat mir das aber so mitgeteilt, und da ich diesen Blog ja zum größten Teil mit Meinungen und nicht mit Fakten fülle, kann ich das einfach so schreiben. Uns war das Wasser zu kalt, vielen anderen auch. Die Menschlein, die im Wasser waren, waren von Kopf bis Fuß in schützendes Neopren gehüllt, und der größte Teil hielt sich sowieso über und nicht unter der Wasseroberfläche auf: Beim Kitesurfen. Schöner Anblick.

Inge und ich fanden zwei freie Liegen nebeneinander und ließen uns die Sonne auf den Bauch scheinen. Ein Bisschen Urlaub muss ja bei all den Abenteuern auch mal sein. Genau eine Stunde Urlaub nämlich. Dann mussten wir los.

Unser lieber Tourismusstudent hatte uns empfohlen, den Sonnenuntergang unbedingt vom Gipfel eines Berges zu beobachten, dessen Namen ich gerade vergessen habe. Macht ja nichts. Es war kurz vor vier, um fünf sollte die Sonne untergehen, der Aufstieg sollte 40 Minuten dauern, ergo mussten wir los. Wir packten unsere sieben Sachen, setzten uns ins Auto – und fanden schon wieder unser ziel nicht.

Nach einigem frustriertem Hin- und Hergefahre wurde es uns zu bunt. Auf der einen Seite vermeldete ein Ortseingansschild dass wir zu weit nördlich waren, auf südlicher Seite schnitt uns immer wieder der Grenzübergang nach Ägypten den Weg ab. Auf einem Parkplatz für Campervans stand ein Polizeiauto mit einem Polizisten drin. Wir hielten an, ich ließ die Scheibe runter.

„Hallo! Wir suchen den NamenhabeichwährendichdiesenTextschreibeschonwiedervergessen-Berg, können Sie uns sagen, wie wir da hin kommen?“

„Oh! Der NamenhabeichwährendichdiesenTextschreibeschonwiedervergessen-Berg? Moment, ich gucke.“

sagte der Polizist, und zückte sein iPhone.

„Okay. Ich weiß nicht genau, wo es ist, aber ich weiß, wen wir fragen können. Fahrt mir nach.“

Sagt’s, und fährt los. Wir hinterher.

Da musste ich kurz an meine Mutter denken, der eine Interaktion dieser Art und Weise vermutlich einen Beinahe-Herzinfarkt, ganz sicher aber panische Schweißausbrüche beschert hätte. Aber dafür hat sie ja mich. Und ich hab sie für so Dinge wie das Adventspaket, welches sie Inge vor Ihrer Abreise zugesendet, und Inge mir einige Stunden zuvor im Hotel feierlich überreicht hatte.

Ich kürze hier mal ab: Nach einigem Hin- und Hergefahre und diversen Interaktionen zwischen dem Polizisten und Anwohnern war es letztendlich zu spät für Inge und mich, um den Berggipfel noch rechtzeitig zu erreichen, die Sonne war schon beinahe Verschwunden. Wir gingen trotzdem los. Einfach, weil wir es konnten. Und das war eine gute Idee gewesen.

Den Pfad, den wir Beschritten, war der offizielle Beginn des Israel National Trail, eines 1.100 Kilometer langen Wanderweges quer durch das heilige Land. Der begann im Süden, genau da, wo wir gerade waren. Wir schritten also etwas bergan, und als wir genug hatten, wieder bergab. Da tauchten auf dem Weg zwei Israelinnen auf, in Leinenklamotten und mit Piercings, einer Klangschale, einem Bunsenbrenner und Tee. Welch Gelegenheit.

„Hallo! Wollt ihr Tee?“

Die beiden lachten uns fröhlich an. Wir wollten Tee.

Eine halbe Stunde später saßen da Inge und ich, die zwei Mädels (zufällig natürlich beide aus Herzliya) und zwei Jungs aus Karlsruhe, die sich die neue Ryanair Fluglinie Karlsruhe-Eilat zum Preis von 10€ pro Strecke am Wochenende einfach mal gegönnt hatten. Ist billiger als den Zug zu den Eltern zu nehmen. Wie soll man da dagegen argumentieren?

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Jedenfalls saßen wir da, sprachen über Gott und die Welt, wie das immer so ist in solchen Situationen, während die Berge und das Meer am Horizont ert rot zu glühen begannen und dann in totaler Dunkelheit verschwanden. Auf Inges relativ direkte Frage: „Habt ihr auch Gras?“ hatten die Mädels ganz selbstverständlich mit „Klar!“ geantwortet und sofort einen Joint gebastelt, der nun die Runde machte. Nur ich musste passen – ich war die Fahrerin. Schweres Schicksal. Dafür trank ich doppelt so viel Tee.

Als wir die Mädels auf die aktuelle politische Lage ansprachen, waren sie zum einen ahnungslos, zum anderen völlig desinteressiert. Die Palästinenser sind sauer? Die Hamas droht die dritte Intifada an? Raketen in Sderot? Passiert alle naselang, nichts außergewöhnliches. So wurden diese Neuigkeiten mit nicht mehr als einem Schulterzucken bedacht, und mein Verdacht bestätigt: Im heiligen Land ist Krieg eben Alltag, und wer glücklich leben möchte, dem ist er besser egal. Ich sitze ja auch nicht im Auto und denke pausenlos darüber nach, dass eine realistische Chance besteht, gleich mit 150 km/h in die Leitplanke zu sausen. Da macht der ganze Trip doch keinen Spaß mehr.

Jedenfalls war es ein guter Abend, da oben in den Bergen, irgendwo zwischen Sinai und Jordanien. Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben.

Am nächsten Morgen war Abreise angesagt. Inge und ich packten unsere sieben Sachen, checkten kurz, wo am Vortag die Raketen aus Gaza heruntergekommen waren, um nicht versehentlich in’s Kreutfeuer zu geraten, und fuhren los. Noch nicht ganz aus Eilat heraus, standen zwei Tramper an der Straße, ein junger Mann und eine junge Frau, auf deren Schild „Timna Park“ stand – das war genau der Nationalpark, zu dem Inge und ich gerade unterwegs waren.

Also machte ich bei der nächsten Gelegenheit Kehrt und wir luden die beiden auf die Rücksitzbank unseres kleinen Toyotas ein. Diese zwei polnischen Abenteuerurlauber sollten uns noch ein bisschen erhalten bleiben. Als wir ca. eine halbe Stunde später beim Timna National Park ankamen, war ich zunächst mal wieder hin und weg von der Landschaft. Ich hatte ja viel erwartet, aber solche Aussichten hätte ich doch eher dem Grand Canyon als Südisrael zugeschrieben.

Beim Ticketkauf war schnell klar, dass unsere beiden polnischen Gefährten ohne Auto nicht weit kommen würden, denn nur erwandern konnte man den Park nicht. Machte aber nichts, denn Inge und ich sind ja flexibel und die beiden waren super nett, also konnten wir sie guten Gewissens mit auf die Rundfahrt durch den Park nehmen – und so geschah es.

Wir fuhren also über schmale, kurvige Schotterpisten durch eine wahrlich surreal wirkende Landschaft. Rote Felsformationen vor wolkenlos blauem Himmel, ich glaube, es ist das vierte Mal, dass ich das hier auf dem Blog schreibe, aber so sieht es nunmal aus in der Negev, und ich find’s klasse. Da wir so fernab einer größeren Straße oder Stadt waren, fühlte es sich mal wieder so an, als seien wir auf dem Mars gelandet.

Wir hielten hier und dort an, besahen und bewanderten interessante Felsformationen, machten Bilder. Was mir besonders gut gefiel war, dass es jetzt, im Dezember, zwar warm, aber nicht zu heiß war in der Wüste. Wir hatten etwa 26 Grad, die Sonne war zwar warm, aber nicht brennend heiß, und ab und wann wehte ein lauer Wind. Mit solchen Temperaturen konnte ich bestens umgehen, Inge der kleinen Frostbeule, war es etwas zu kalt. Die kommt dafür in Südostasiatischen und Afrikanischen Staaten irgendwie besser klar als ich.

Nach etwa eineinhalb Stunden erreichten wir unsere letzte Station im Park, die Timna Oase. An einem kleinen See standen ein paar verlorene Palmen und ein Restaurant, in dem man heute, am Shabbath, nur kalte oder bereits vorbereitete Speisen erwerben konnte, man darf ja kein Feuer machen und so weiter. So musste Inge leider auf die Pommes verzichten, die sie sich so sehr gewünscht hatte, doch wir wurden beide trotzdem gut versorgt: Mir warmem Pita (Gott der Herr weiß, wie sie dieses Brot warm gekriegt hatten, ich fragte lieber nicht nach), Frischkäse für Inge und dem oligatorischen Hummus für mich. Ja, richtig. Klara hat auf einem Roadtrip in Israel Pita und Hummus gegessen. Ein außergewöhnliches Ereignis, vermerkt es lieber in euren Kalendern, falls es nie wieder vorkommt.

Inge und ich fanden einen Platz in der Sonne und genossen unsere Mittagspause. Es hätte mal wieder schlechter laufen können, hier bei mir im Nahen Osten. An eines dachten Inge und ich in jenem Moment auf jeden Fall nicht, und das waren Raketen und Krieg. Denn diese Themen haben einfach keinen Platz im Alltag, und ich beabsichtige auch nicht, auf irgendeinen meiner geliebten Gedanken zu verzichten, nur, um mir um unrealistische Bedrohungen sorgen zu machen. Das wird nicht passieren.

Gut gesättigt und gestärkt sammelten wir unsere polnischen Weggefährten ein und setzten sie nach Verlassen des Parks wunschgemäß am Rande des Highways ab. Dann ging es weiter, denn wir hatten noch ein elange Fahrt vor uns, und an jenem Tag waren wir entschlossen, unsere Pläne für den Sonnenuntergang wahr zu machen…

Der Makhtesh Ramon ist ein riesiger Krater, mitten in der Wüste. Den wollten wir bei untergehender Sonne sehen, und sausten deshalb ohne weitere Verzögerung über die schmalen Highways in Richtung Mitzpeh Ramon, der am Krater gelegenen Stadt. Das heißt, ich sauste, und Inge unterhielt mich und reichte mir zuverlässig Wasser, Kaffee und Cracker an. Merkt euch, solche Beifahrer braucht man auf langen Roadtrips!

Und so kamen wir irgendwann an, an einem kleinen Parkplatz am Straßenrand und einem Schild, das eindeutig uneindeutig auf einen Canyon hinwies. Im Krater befanden wir uns bereits, jetzt sollte noch ein Canyon gefunden werden. Gut gut. Also. Aussteigen, Auto abschließen, und los.

Zwanzig Minuten später standen wir in einem steilen, trockenen Flussbett. Gleich einer Bergziege versuchte ich, mithilfe beeindruckend abgewinkelter Fußknöchel halt auf dem abfallenden Gestein zu finden, während Inge einige Meter hinter mir bereits auf Allrad umgestiegen war und sich mit den Händen den Canyon hochtstete. Die Sonne Stand immer tiefer, und wir hatten uns irgendwie verlaufen. Also, nicht so richtig verlaufen, wir wussten, wo wir waren und wo das Auto war, nur war das alles irgendwie nicht das, wonach wir eigentlich gesucht hatten. Auf einem kleinen Plateau klopften wir uns den weißen Wüstenstaub aus den Kleidern und schauten uns den noch vor uns liegenden Weg an.

„Steil.“ sagte ich.

„Und noch ein ganzes Stückchen.“ sagte Inge.

„Weißt du, wo wir da hinkommen?“

„Nein. Weißt du, wie es dahinter weitergeht?“

„Nein. Hast du eine Taschenlampe dabei? Oder dein Handy?“

„Nein. Sollten wir vielleicht doch lieber umdrehen?“

„…“

„…“

„Ich denke, das wäre gar nicht so dumm.“

An dieser Stelle übrigens nochmal ein dickes Chapeau an Inge, die man mit Ihren siebzig plus Jahren (so darf ich das sagen) noch immer im Zwielicht einen felsig-steilen Canyon hochjagen kann, und zwar völlig problemlos. Wieder runter geht auch gut. Dabei musste auch ich auf alle viere umsteigen, um größere Zwischenfälle zu vermeiden, aber wir schafften es unversehrt wieder in’s Tal.

Was hatten wir für ein Wochenende gehabt. Hatten im Roten Meer gestanden, auf dem Israel National Trail Tee getrunken, Jordanien gesehen, Ägypten gesehen, mit einem Tourismusstudenten gequascht, Flamingos beobachtet, polnische Tramper durch einen Nationalpark gefahren, und jetzt waren wir hier, im Ramon Krater in der Negev, wo am Vortag noch die Sirenen gesungen hatten.

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Da freuten wir uns dann einfach nur noch am Sonnenuntergang. Ohne noch einen tolleren Ort zu suchen, ohne einen perfekten Sonnenuntergang zu jagen. Wir genossen einfach den, den wir bekamen. Und der war wundervoll.

3 Kommentare

  1. Erhard Daberkow sagt: Antworten

    Wieder alles mit großem Interesse verfolgt und die Fotos bewundert. Ich werde weitere Berichte neugierig erwarten Liebe Grüße Opa

  2. Annelene und Ernst v.Schönfeldt sagt: Antworten

    Zunächst viele Glückwünsche zur schnellen Heilung vom Blinddarmschmerz. – und ungebrochen ist die Reise- und Erlebnis Freude, an der wir wieder teilnehmen konnten. Die Aufnahmen sind in der Tat bewundernswert, da hat der Großvater Recht. Wir grüssen ihn bei dieser Gelegenheit
    aus Ermsleben/ Sinsleben. Und Dich erwartet Deine Familie bestimmt schon sehnsüchtig.-
    Viel Glück und viel Segen auf all Deinen weiteren Wegen – kommst Du denn auch noch nach Gaza, Nazareth etc. ?
    Unter der Markus Lanz / Mediatek ist ein interessanter Israel „als Ergänzung zu sehen, gesendet am 25. 12.2017

  3. Inge sagt: Antworten

    Liebe Klara,
    es ist so schön, einfach mal zu lesen,was man erlebt hat. Wenn ich mir vorstelle nicht die Raketen sondern dein entzündeter Blinddarm hätte uns dieses Vergnüben vermasselt- nahe genug war er uns auf den Fersen. Abgesehen von deiner Gesellschaft und der unglaublichen Landschaft , hat auch mich die Unaufgeregtheit der Israelis sehr beeindruckt. Ich hatte Null Angst in den Tagen was sich bei meinem Besuch in Jerusalem bestätigte.Von diesem Besuch in der heiligen Stadt könnte ich einen eigenen Blog schreiben.
    Allen in Deutschland empfehle ich den Besuch der passenden Ausstellung“ Welcome to Jerusalem“ !!! Super gemacht , läuft bis 2019 !
    Liebe Klara, schön, dass es dich gibt!

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