Es ist so viel passiert.

Es ist ja so, dass man im Leben Prioritäten setzt. Manchmal liegen diese Prioritäten vornehmlich auf guten Noten, manchmal auf persönlicher Weiterentwicklung, manchmal auf Glück, manchmal auf gutem Essen, und manchmal auf frischer Bettwäsche und einem Abend mit dem Lieblingsbuch. Doch egal, worauf man nun gerade Wert legen möchte, eines steht fest: Wenn man es nicht schafft, vernünftig zu priorisieren, versinkt man im Chaos. Oft ist dieses Chaos eher mental als physisch, doch das macht es nicht weniger chaotisch. Und Chaos verursacht Stress, den ich (so wie vermutlich jeder) im Allgemeinen zu vermeiden versuche.

Lange Rede, kurzer Sinn: Mein Blog hat es in den vergangenen Monaten nicht sonderlich weit nach oben auf meiner Prioritäten-Hitliste geschafft. Und es sind einige Dinge passiert, die sicher nicht passiert wären, wenn ich ein oder zwei Mal die Woche drei Stunden für einen neuen Blogpost an’s Bein gebunden hätte. Deshalb gibt es jetzt hier eine Zusammenfassung dessen, was seit Jahreswechsel so in meinem wilden Leben in Israel passiert ist.

1. Das Auslandssemester ist vorbei

Ja, ich habe das Semester schlussendlich doch hinter mich gebracht. Die Prüfungsphase war eine blöde Kuh, aber das ist sie ja immer, sehr zuverlässig, zwei Mal jährlich, egal in welchem Land und für garantiert jeden Studenten. Und so verbrachte ich vier Wochen lang quasi jeden Tag entweder in der Universitätsbibliothek oder in der Wohnung von Freunden, schrieb oder las oder diskutierte über den Krieg im Libanon und die Außenpolitik der verschiedenen israelischen Premiers oder über Onlineterrorismus oder über den weltweiten Dschihad und die soziopolitischen Implikationen des Islamischen Staates im Irak und Syrien oder oder oder. Immer in Abhängigkeit davon, welche Prüfung gerade anstand. Aber jetzt bin ich fertig, meine Durchschnittsnote liegt bei 88%, und damit bin ich doch ganz glücklich. So. Politiksemester in Israel geschafft.

2. Keine Uni? Mehr Zeit für Arbeit!

Einige von euch werden es wissen, vielleicht habe ich es bereits erwähnt: Ich arbeite als Copywriterin in Berlin, neuerdings nicht für eines, sondern für zwei Unternehmen, und habe einen Heidenspaß daran. Besonders deshalb, weil ich 1. schreiben kann und dabei 2. völlig ortsunabhängig bin. Das bedeutet aber auch, dass meine Arbeit darin besteht, auf einen Computerbildschirm zu schauen und Texte zu schreiben, zu korrigieren und zu posten. Und wenn man das fünf Stunden lang gemacht hat, ist die Motivation, im Anschluss zu Hause nochmal in seiner Freizeit stundenlang einen Blogeintrag zu tippen eher gering. Einfache Erklärung: Für ersteres gibt es Geld. Und das kann ich als Studentin im Ausland (und ganz besonders in Israel) einfach gut gebrauchen.

3. Zu schön hier, um zu gehen

Dass ich mich in Land und Leute hier verliebt habe, dürfte ja in vergangenen Blogposts deutlich genug herübergekommen sein. Das hat jetzt allerdings einen ganz konkreten Einfluss auf mein Leben: Ich werde länger bleiben, bis mindestens Ende Juli diesen Jahres. Für die Uni steht jetzt „nur noch“ meine Masterarbeit auf dem Plan, und auch dafür ist es egal, in welchem Land ich vor dem Computerbildschirm sitze. Also habe ich meine Wohnung in Berlin weiter untervermietet, mir weiterhin Zugang zu meiner israelischen Uni gesichert, arbeite also nach wie vor von der Campusbibliothek aus und verbringe meine Freizeit als Gasthörerin in Politikvorlesungen. Könnte schlimmer kommen.

4. Familie im nahen Osten

Familie ist ja ein dehnbares Wort. Zum Einen war meine tatsächliche Familie hier, sehr zu meiner Freude. Es wurde viel gegessen, gelacht und gereits, und plötzlich fand ich mich mit Mama, Papa und Heinrich in der Jerusalemer Altstadt wieder. Das hätte ich vor einem Jahr so auch nicht erwartet. Ging meinen Eltern sicher ähnlich.

Dann wächst meine WG mir hier immer mehr an’s Herz. Adar ist der große Bruder, Amandine die kleine Schwester, und Michael der komische Onkel den man einmal die Woche im Feinripp-Unterhemd aus dem Zimmer schlurfen und eine Flasche Whisky aus der Küche holen sieht. Alles, wie es sich gehört also. Und wir haben uns alle sehr lieb. Familie in Israel eben. Irgendwie.

5. Dann ist da dieser Mann…

Gut. Okay. Meinetwegen. Ich habe mich diesbezüglich auf dem Blog ja gerne zurückgehalten, aber um die neugierigen Fragen, die mich immer wieder erreichen, ein für alle Mal zu beantworten: Ich habe da wen kennengelernt. Philip nämlich. Aus den USA. Meine Eltern finden ihn nett. Ich auch. So viel also dazu.

6. Unser Italienurlaub

Nach einer langen und kräftezehrenden Prüfungsphase war sowohl Philip als auch mir nach einer Auszeit. Also wurde spontan ein Flug gebucht (eine meiner Spezialitäten) und wir verabschiedeten uns für acht Tage nach Italien. Flogen nach Rom, mieteten einen kleinen Fiat 500, und bahnten uns den Weg vom Flughafen über Grosseto nach Florenz, dann nach San Gimignano, Siena, Orvietto und zurück nach Rom, wo wir die letzten Urlaubstage verbrachten. Wir aßen viel Eis (gibt’s überall vegan), Käsepasta (gibt’s fast überall vegan) und Pizza (lässt sich problemlos überall vegan bestellen), sangen im Auto laut zu Punkrock der 90er Jahre, sahen eine unzählige Menge an Kirchen und Madonnen mit Kind. Verbrachten einen signifikanten Teil unserer Zeit in Cafés, Museen, Galerien und Schreibwaren- oder Kunstbedarfsläden. Was übrigens immer nur zu 50% auf meinem Mist wuchs. Ich wähle meine (Reise-)Partner grundsätzlich mit viel Bedacht aus. Hier belastendes Bildmaterial.

 

 

7. Was ich euch noch schulde

Im Januar, kurz, bevor meine geliebte Rusne zurück nach Litauen verschwand, war ich mit ihr im Westjordanland. Der Bericht liegt seit Wochen halb fertig bei mir herum, und wird bald vervollständigt und hochgeladen. Versprochen. Das Abenteuer solltet ihr wirklich nicht verpassen. Ich kümmere mich darum.

8. Und jetzt?

Tja. Was nun? Ich werde weiter in Israel sein. Und ich werde weiter berichten. Ich verspreche euch, dass ich mir von nun an alle Mühe gebe, den Blog etwas weiter oben zu listen. Doch bitte habt Verständnis dafür, dass sowohl mein Job als auch das Schreiben meiner Masterarbeit zu 100% an meinem PC passieren, und ich es in dem bisschen Zeit, was mir momentan für mich privat bleibt, auch einfach genieße, mal ein Buch zu lesen. Oder durch den nahegelegenen Stadtpark zu joggen. Oder einen Kaffee zu trinken und gen unendlich zu starren.

Nichts desto trotz möchte ich euch gerne wieder dabeihaben, wieder mitnehmen. Denn Reisen macht mit euch im Rücken einfach doppelt so viel Spaß. Danke.

Und wer zufällig in der Gegend ist und Lust hat, mich mal wieder ganz analog und live zu treffen: Am Samstag, den 07. April spreche ich um 09:00 Uhr  beim offenen Gemeindefrühstück des ev. Kirchspiels Falkenstein Harz über mein Leben in Israel, die Normalität des Krieges, riesenportionen Hummus und das komische Wort Zionismus. Ich freu mich auf euch!

4 Kommentare

  1. Annelene und Ernst v.Schönfeldt sagt: Antworten

    Wir hatten schon „Entzugserscheinungen“. Nach wie vor „Atemlos“ verfolgen wir Dich von Ort zu Ort und zu Land.
    Jetzt mit Philipp „im Gepäck“ – das nennt man heute „Masterarbeit“………
    Viel Glück und viel Segen auf all Deinen Wegen !!! Wir sind gespannt auf Deinen Vortrag – in der ländlichen Niederung hier in Ermsleben.

  2. Feli sagt: Antworten

    Wie schön, wieder von dir zu lesen! Und was dir in diesem Israel alles tolles passiert ist, freut mich wirklich sehr. Feine Bilder hast du auch gemacht – besonders hat es mir der Schreibwarenladen angetan! In den nächsten Monaten schaffe ich es hoffentlich auch mal auf so ein paar Bilder mit dir. Liebe Grüße von Feli

  3. E.Daberkow sagt: Antworten

    Ich habe schon lange auf deine Berichte gewartet. Endlich kann ich meine Neugier stillen und mich wieder mit dir freuen. Bei deinen Unternehmungen ist es gut vorstellbar das du wenig Zeit hierfür hast. Ich warte also sehr geduldig auf die kommenden Reiseberichte. Liebe Grüße auch an Philipp dein Opa Erhard

  4. Conny sagt: Antworten

    Wie einen Freund, den man lange nicht gesehen hat…je länger die Zeitspanne des Wartens…desto mehr Geschichten gibt es auch zu erzählen.
    So ging es mir zumindest, als ich – jetzt hier so in der Mittagspause mit ´nem heißen Kaffee in der Hand – Deine Geschichte durch-geschmöckert habe. Ich könnte nach Deinen Erzählungen sofort packen und losfahren…auf nach Israel. Das steht bei uns wirklich auf der Favoriten-Liste für einen Urlaub…

    Liebe Grüße aus Magdeburg,
    Conny

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