Dalat Part III

Der Wecker klingelte also um 7. Das war unsere eigene Schuld, denn wir hatten am Vortag eine Trekkingtour durch die Berge gebucht, verrückt wie wir sind. Aber ich wandere einfach so gerne, und das war bei den Temperaturen die Wochen zuvor einfach etwas zu kurz gekommen.

Um 8 holten uns unsere Guides ab. Wie sich herausstellte, waren wir in der ganzen Stadt die einzigen gewesen, die Lust gehabt hatten, an einem Mittwoch Morgen um 8 Uhr 6 Stunden lang 16 Kilometer durch die Berge zu laufen. Also hatten wir Eins-zu-eins-Betreuung und niemanden im Schlepptau, der unsere trainierte Wandergeschwindigkeit gebremst hätte. Sehr schön. Gute Voraussetzungen also für einen gelungenen Wandertag.

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Zunächst ging es einige wenige Kilometer bergab, durch die spärlichen Pinienwälder, welche die Berge Südvietnams bedecken. Früher hatte es dort dichten Dschungel gegeben, doch die Napalm-Angriffe von Amerika im Vietnamkrieg hatten den Wald dem Erdboden gleich gemacht, und alles, was danach wuchs, waren Pinien. Deshalb heute Pinienwälder, die ein wenig aussehen, als wäre der Berg gerade 15 geworden und erfahre jetzt seinen ersten Bartwuchs.

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Wir liefen durch Kaffee- und Passionsfruchtplantagen. Beides roch ganz wundervoll, und von den Passionsfruechten erntete uns einer der Guides sogar eine frische Kostprobe. Seit ich hier in Asien bin habe ich ja meine Liebe zu Passionsfruechten entdeckt, trinke so oft ich kann den Saft und mische sie jeden Morgen mit meinem Haferbrei, doch so frische Passionsfruechte wie die auf der Wanderung hatte ich in meinem Leben sicher noch nie gegessen.

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Im Tal angekommen überquerten wir die erste der beiden Hängebrücken, die uns auf unserem Weg erwarteten. Die war noch recht stabil, weshalb die Ueberquerung kein Größeres Problem darstellte. Wir liefen also einer nach dem anderen über den schlammig-braunen Fluss, der sich durch das Tal zog, und setzten auf der anderen Seite unseren Weg durch die Hochlandplantagen fort.

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An einer der Kaffeeplantagen machten wir halt. Unser Guide erklärte uns den Unterschied zwischen den beiden Haptkaffeesorten, die in Vietnam angebaut werden: Robusta und Arabica. Robusta ist deutlich günstiger, da er leichter in der Pflege und schneller zu ernten ist, während Arabica ein sehr aufwaendiger Zeitgenosse zu sein scheint. Vietnam ist übrigens zweitgrößter Kaffeeexporteur nach Brasilien, und das auch nur, wenn man das Exportvolumen am Marktwert misst. Was das Gewicht exportierten Kaffees angeht liegt Vietnam ganz vorne. Wusste ich auch nicht. Jetzt aber schon.

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Wir gingen vorbei an Bananen- und Jackfruchtbaeumen und ich freute mich, das alles mal live zu sehen. Wie toll eine Kaffeepflanze mit noch grünen, unreifen Kaffeebohnen schon nach Kaffee duftet, war mir vorher einfach nicht klar gewesen, doch ich genoss das Ganze sehr. Irgendwann kamen wir dann an Hängebrücke Nummer 2. Und die hatte es in sich.

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„Bisschen schwer zu überqueren, wir gehen einer nach dem anderen.“ sagte unser Guide und schickte seinen Kollegen los, den Zustand der Brücke auszuloten. Es dauerte ganze 7 Minuten, bis er das andere Ufer erreicht hatte und uns zu sich winkte. Esther ging als nächste.

Dann kam ich.

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Diese Brücke sah irgendwie am Anfang nicht so schlimm aus wie sie dann tatsächlich war. Morsch, klapprig, und zwischendrin fehlten ab und ann auch mal vier Planken hintereinander, weshalb einem nichts anderes übrig blieb, als, mit beiden Händen das Drahtgeländer umklammernd, auf einem dünnen Drahtseil über den Fluss unter einem zu balancieren (kurzen Applaus für die grammatikalisch korrekt begonnenen und beendeten Nebensätze bitte). Erschwert wurde dieser Drahtseilakt noch von dem Wind, der in starken Böen immer wieder durch das Tal fegte und die Brücke gefährlich zu wackeln beginnen liess. Doch irgendwann hatte auch ich es ans andere Ufer geschafft. Und dann kam der eigentlich harte Teil.

6km den Berg wieder rauf. Aber nicht einfach so bergan, wie man das von heimatlichen Spaziergängen gewohnt ist, nein nein. Für alle die, die sich im Selketal auskennen, hier ein kurzer Vergleich: Lumpenstieg. Den Lumpenstieg 6 Kilometer weit bergan. Und das bei gefühlten 36 Grad, Windstille am Berghang und Sonne von oben. Gott sei Dank hatte ich zu Hause ein bisschen geuebt.

Auf halber Strecke machten wir mittag, es gab wieder belegtes Baguette (Banh Mi) mit Tofu und Gemüse, und frisches Obst. Alles bestens also. Und als wir oben ankamen, brannten meine Beine wie feuer. Aber ich war glücklich. Richtig, richtig glücklich, dass ich endlich wieder wandern konnte und mir diesen tollen Tag nicht aus Faulheit oder Angst hatte entgehen lassen.

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Zurueck im Hostel folgte was? Hm, treue Leser? Ihr wisst es, kommt schon!

Richtig! Ein Mittagsschlaf und eine heisse Dusche. Jawoll.

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Als wir uns dann fertig machten, um auf Abendbrotsuche zu gehen (es sollte Pizza geben) kamen wir mit den drei Jungs ins Gespräch, die ausser uns noch unser Dorm bewohnten. Zwei waren aus New York, einer aus dem deutschsprachigen Teil Belgiens, und allesamt waren sie mit ihrem Moped unterwegs.

Den rest des Tages verbrachten wir zusammen. Erst in der 100 Rooftop Bar (wir kleinen Wiederholungstäter), doch da war nicht so richtig was los, also entschieden wir uns schlussendlich dazu, bis zwei Uhr morgens auf dem Zimmerboden sitzend Bullshit zu spielen. Und das sind ja bekanntlich die lustigsten Abende.

3 Kommentare

  1. Banh Mi gibt hier demnächst auch mal. Hab ein tolles veganes Rezept gefunden. Und die Hängebrücke hat meines Erachtens schon in mehreren Hollywood-Action Streifen mitgewirkt. Tolle Geschichte mal wieder. Beim nächsten Kaffee denke ich an dich.

  2. Liebe Klara,
    ab und zu lese ich ganz gespannt deine Reiseerlebnisse. Ich muss schoh sagen, beeindruckend, mutig …. alles ohne Kompromisse.
    Wie kannst du denn diese vielen Erlebnisse verschiedener Menschen und Kulturen nur verarbeiten?
    Wichtig ist dabei, dass dir nichts passiert und du gesund bleibst.
    Lass dich von den Damen „hier oben vom Dach“ herzlich drücken mit lieben Grüßen.
    Weitere tolle Erlebnisse wünschen wir dir!!!

    1. Author

      Liebe Lydia,
      ich hab mich vielleicht gefreut, von dir zu lesen! Wie schoen, dass du ab und wann vorbeischaust 🙂
      Ich hoffe, ihr geniesst den Sommer genau so sehr wie ich es hier tue. Ich denke oft an euch, haltet die Stellung – und die Männer in Schach 😉
      Ganz liebe Grüße aus Vietnam,
      Klara

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