Queenstown Part II

Der naechste Tag in Queenstown war in der Tat ereignisreich.
Erinnert ihr euch noch an die juckenden Stiche, von denen ich zuletzt mal berichtet hatte? Nun, mein Arm war am Abend angeschwollen und man sah kaum noch normale Haut zwischen den Beulen, die ich da bekommen hatte, weshalb mich mein erster Weg ins Medizinzentrum Queenstown fuehrte. Dieses Gejucke wollte ich nicht mehr lange ertragen und ich machte mir auch einfach ein bisschen Sorgen, weil es von Tag zu Tag eher schlimmer als besser zu werden schien.
Nach zwei Stunden sinnlosen Gewartes wurde ich dann ins Arztzimmer gerufen – und war nach 5 Minuten wieder raus. Die Diagnose wurde auch Hoechst professionell gestellt, die junge Dame guckte mich nur an, drehte und wendete meinen Arm ein wenig, fragte dann: „Wo schlaefst du?“und als meine Antwort Ïn Hostels“ war, gab sie, wie das professionelle Aerzte eben so machen „Bed Bug Bites“(Bettwanzenbisse) bei Google Bilder ein, glich das kurz mit meinem Arm ab und sagte: „Jap, eindeutig, Bed Bugs.““ Ist ja nicht so, als haette ich nicht genau dasselbe bereits am Abend zuvor in meinem Hostelzimmer veranstaltet. Nun gut.
Mir wurden also Antihistamine gegen den Juckreiz verschrieben und schwupps war das Abendteuer auch schon wieder vorbei. Hat nur 160 Dollar gekostet. Gott sei Dank habe ich einen Experten konsultiert…
Im Anschluss besorgte ich gleich die Tabletten, nahm eine und machte mich auf den Weg zur Sky Gondola. Die Sky Gondola ist den Seilbahnen, die wir von zu Hause kennen, doch sehr aehnlich, faehrt einen aber eben zu einer um einiges atemberaubenderen Aussicht. Das Wetter war wunderschoen, die Sonne schien und alle Wolken schienen hinter den Bergen, welche Queenstown umgeben, haengen geblieben zu sein, was nicht nur cool aussah, sondern eben auch fuer beste Sicht sorgte.
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Ich war begeistert. Landschaftlich war das wirklich das Highlight in Neuseeland. Ich freue mich so darauf, euch endlich alle Fotos hochladen zu koennen, ich hab euch ja so viel zu zeigen!
Ich wanderte also da oben etwas rum, genoss meinen obligatorischen Kaffee, ass ein Eis und freute mich des Lebens, waehrend mir die Sonne auf meinen Fazerschoki-Finnlandbauch schien.
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Irgendwann war es dann Zeit, mich wieder auf den Weg ins Tal zu machen, den ich hatte noch was grosses vor…
Den Canyon Swing.
Beim Canyon Swing, liebe Freunde, wird man an einen nahe gelegenen Canyon gefahren, s=angeseilt, springt dann in einen 60 Meter tiefen, freien Fall und schwingt dann bei 150km/h 210 Meter unten durch den Canyon – wie bei einer riesigen Schaukel, nur irgendwie ein bisschen spannender. Das hatte ich gebucht.
Ich lief also von der Gondel direkt ins Canyon Swing Buero. Die Angestellten waren super gut drauf, wir mussten ein paar Haftungsausschluesse unterschreiben (nicht sehr clever, unmittelbar vor dem Sprung nochmal zu erwaehnen, dass man dabei sterben kann und dass dafuer dann sicher keener die Verantwortung uebernehmen wird) und wurden gewogen. Gewogen. Gut, ich hatte Klamotten an, es war Mittagszeit und ich hatte gerade gegessen aber HIMMELHERRGOTT hab ich mich erschrocken. Will jetzt lieber nicht mehr an diese Zahl denken. Danke.
Wenige Minuten spaeter ging es in einem kleinen Bus los in Richtung Canyon. Unser Fahrer war gleichzeitig auch einer der menschen, die uns spaeter anseilen wuerden, also war ich mal so lieb wie moeglich zu dem kleinen, ausgewanderten Franzosen. Waehrend der Fahrt wurde ein Video gezeigt, in dem nochmal die populaersten Sprungmoeglichkeiten vorgestellt wurden: Vorwaerts, rueckwaerts, seitwaerts, ran, kopfueber, kopfunter, salto, mit Rutsche, etc. Glaubt mir, so eine Entscheidung ist etwas schwieriger als sich fuer eine Nagellackfarbe entscheiden zu muessen. Und dann waren wir da.
Wurden vergurtet, waehrend die jungen Maenner da ihre Spaesse da mit uns machen, und da ich natuerlich auch nicht dazu in der Lage bin, klein beizugeben wenn mich jemand verarscht, ritt ich mich immer tiefer in die Scheisse. Frei nach dem Motto „Mit der kann mans ja offensichtlich machen“ wurde ich immer wieder in richtung bgrund geschubst und durfte mir von dem Franzosen den ein oder anderen sexistischen Spruch ueber deutsche Frauen anhoeren – war abr im Endeffekt alles witzig, also die waren nicht wirklich unhoeflich oder sowas.
Tja. Und eh ich mich versah, stand ich da, seitlich an der Plattwormkante, die Arme hinter dem Ruecken verschraenkt, mit Blick nach untern, und hoerte meinen kleinen Franzosen sagen:
„Na dann: Spring!“
„Wie. Zaehlt ihr nicht bis drei oder so?“
„Nein, ich denke nicht.“
„Denkst du?“
„Kannst ja drauf warten.“
„Oder ich springe.“
„Koenntest du.“
„Kann ich?““
„Ich denke schon.“
Sagte er – und ich sprang.
Hammer.
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Swing 08 - Photo 06
Swing 08 - Photo 15
Swing 08 - Multi [No Border]
Mit nichts zu vergleichen dieses Gefuehl, so tiel zu fallen. Der absolute Wahnsinn. Ich bin ja sonst keine Frau die uebermaessig schnell kreischt, aber da entwich mir dann doch ein merkerschuetternder Laut, das hatte ich einfach nicht mehr unter Kontrolle. Als ich dann einige Sekunden spaeter unten mit einem Affenzahn durch den Canyon raste, verfiel ich erstmal in einen waschechten Lachkrampf. Uebersprungshandung. War aber lustig. Die Aussicht war aremberaubend, links und rechts neben mir die riesigen Felswaende, unter mir ein reissender Strom, ueber mir der strahlend blaue Himmel. Das war wirklich jeden Cent wert. Als ich wieder hochgezogen wurde, beruhigte ich mich langsam wieder und konzentrierte mich darauf, beide Fuesse wieder auf die Plattform zu bekommen.
„Sehr gute Vocal Skills!“
„Tja, ich kanns halt.“
„Solltest mal zu The Voice gehen…“
„Nee sorry, Heavy Metal hoeren die da gleub ich nicht so gerne.“
Zitternd stellate ich mich wieder hinter die Absperrung und meldete gleich mal meinen zweiten Sprung an. Ich wollte das UNBEDING nochmal machen. Dieses Mal rueckwaerts.
Eine viertel Stunde spaeter stand ich also wieder da, dieses mal mit zwei Typen, die auf mich aufpassten, und lauschte folgender Konversation, mit dem Abgrund in meinem Ruecken und den haenden hinter meinem Kopf:
„Sag mal, hast du sie eigentlich angeschnallt?“
„Weiss nicht, bin mir nicht sicher, hab nicht so genau hingeguckt.“
„Na ja, sie hat ja den Haftungsausschluss unterschrieben.“
„Stimmt. Wenn sie stirbt, passiert dir also nichts.“
Ich intervenierte dann irgendwann mit den Worten: „Bevor ich euch noch laenger zuhoeren muss, springe ich lieber.“ und verabschiedete mich richtung Erdboden.
Das war nochmal VIEL cooler als beim ersten Sprung. Da rueckwaerts runter zu muessen ist komplett anders, aber wie anders, das kann ich wieder nur schlecht beschreiben. Einfach mal ausprobieren ihr Lieben, hab gehoert, dass man in der Schweiz auch sowas machen kann 😉
Der Abend dieses Tages verlief wilder als geplant. Ich hatte noch immer keine Unterkunft fuer die kommende Nacht und telefonierte je-des Hostel der Stadt ab. Nichts.
Alle Busse aus der Stadt waren auch bereits abgefahren. Was macht man da? Betteln. Um einen Schlafplatz. Im Hostel der Vornacht. Nun, ein Bett habe ich nicht bekommen, aber eine Decke, eine Isomatte und ein feuchtes Zelt. UND einen Platz im Vorgarten eines Bekannten der Hostelbesitzerin.
Das war besser als nichts, die Alternative waere naemlich eine nacht auf einer parkbank gewesen, aber gemuetlich war das nun auch ganz und gar nicht. Eher arschkalt. geschlafen habe ich in dieser nacht nicht sehr viel, aber das gehoert wohl zum Abenteuer dazu.
Am naechsten Morgen nahm ich den Bus zurueck nach Dunedin und holte etwas Schlaf nach. Zurueck in der Basisstation bei meinen Kommilitonen verbrachte ich noch zwei schoene Tage, versuchte mein kaputtes Handy wieder auf Vordermann bringen zu lassen (hoffnungslos), machte ein paar letzte besorgungen und stieg letztendlich in einen Bus zum Flughafen in Christchurch.
Und wohin es dann ging, gibt es im naechsten Post zu lessen 🙂
Bis dahin!
Alles Liebe,
Klara

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