Wellington Part II

Am naechsten und letzten Tag in Wellington war bis auf den zweiten Museumsbesuch nur noch eine fahrt mit der Cable Car (Dem Cable Car? Ich weiss es nicht) geplant. Das sollte ja angeblich DIE Hauptattraktion der Stadt sein, noch vor dem Te Papa, und war daher auf unserer Prioritaetenliste ganz nach oben gerutscht. So hatten wir ein klares Ziel vor Augen, als wir am Morgen bei wieder einmal bestem Wetter vor das Hostel traten.
Der Weg fuehrte uns direkt durch die innenstadt Wellingtons, vorbei an lauter kleinen Geschaeften und Cafes. Ich war verliebt. Endlich wieder Grossstadt! Witziger Weise entdeckten wir auf unserem Spaziergang auch das „Kaffee Eis“, und gelockt vom auffaellig deutschen Namen dieses Etablissements begutachteten wir schonmal das Sortiment und versprachen der lieben Barista, nach unserem Cable Car Abenteuer wieder auf ein Eis zurueckzukommen.
Wenige Minuten spaeter hatten wir die Cable Car Haltestelle erreicht. Und jetzt noch einmal fuer alle, die nicht wissen, was so ein Cable Car ueberhaupt ist: Es sieht aus wie ein Zugwaggon und wird von Stahlseilen auf Schienen einen Berg hochgezogen. Klingt unromantisch, ist aber auf alt gemacht und hat daher irgendwie Charme. Uebersetzt wird Cable Car im Uebrigen mit „Standseilbahn“ oder „Kabelzugbahn“, falls damit einer meiner lieben Leser mehr anfangen kann.
Wir setzten uns also in diese Cable Car (nach Bezahlen des Fahrpreises, versteht sich) und liessen uns mit monotonem Rattern den Berg hoch nach Kelburn ziehen. Die Aussicht war nicht schlecht, aber auch nicht viel besser als der Blick vom Victoria Lookout – gut, es ging hier auch mehr um die Erfahrung des Cable Car Fahrens, moechte ich meinen. Sieht jedenfalls ganz schick aus das Ding, mit seinem feuerroten Anstrich und den alten Beschriftungen ueberall drauf.
Direkt oben auf dem Berg wo die Cable Car dann haelt befindet sich der Eingang zum Botanischen Garten Wellington, und bei diesem stralenden Sonnenschein liessen Anne und ich uns natuerlich nicht davon abhalten, wenigstens einen Teil der Gartens zu Fuss abzuschreiten. Die Landschaft war auch hier wieder beachtlich, besonders, weil sich der Garten durch ein Tal zwischen zwei von Wald bewachsenen Huegeln zieht und man daher wirklich NUR Pflanzen sieht, solange man nicht auf einer Lichtung stehen bleibt und senkrecht nach oben guckt.
Auf der Haelfte des Weges liessen wir uns auf einer Bank nieder und verquatschten uns einfach eineinhalb Stunden lang. Man moechte ja meinen, wir haben genug Zeit uns zu unterhalten, so viel wie wir miteinander unterwegs sind, aber gerade WEIL man eben so viel unterwegs ist, kommen Gespraeche, fuer die viel Zeit noetig ist, schnell mal zu kurz. Ich fand das jedenfalls sehr angenehm.
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Auf dem Rueckweg zur Cable Car hatten wir kurzzeitig das Gefuehl, uns verlaufen zu haben, da der botanische Garten hier und da doch eher aussieht wie ein Labyrinth, mit all seinen kleinen Gassen und Trampelpfaden in immergruener Umgebung.
Letztendliuch fand sich die Haltestelle dann aber doch an. Man musste halt einfach immer bergauf.
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Wieder in der Stadtmitte angekommen liefen wir direkt und ohne Umweg wieder zurueck zum Kaffee Eis. Beide hatten wir einen unbaendigen Appetit auf dieses Eis, welches rein optisch schon ein echtes Highlight gewesen war, als wir uns Stunden zuvor die Nasen an der Scheibe vor der Auslage plattgedrueckt hatten.
Und es hielt, was das Aussehen versprach. Die Barista musste sogar ein bisschen lachen, als wir wieder ins Cafe kamen, sie hatte offensichtlich nicht mehr mit unserer Rueckkehr gerechnet. Da waren wir nun aber, und wollten unser Eis (und Kaffee, ich zumindest). Bekamen wir natuerlich auch. Und OH MEIN GOTT war das gut. Ich esse hier ja wirklich oefter mal ein Eis, aber das war bis jetzt wirklich das Beste, ohne Frage.
So sassen wir da mit ueberschlagenen Beinen und genossen unser Eis, bevor es uns ein zweites Mal ins Te Papa verschlug.
Im Te Papa waren noch die Kunstausstellung und die Ausstellung zum Erdbeben in Christchurch vor einigen Jahren uebrig. Ich weiss ja nicht so recht, ob Anne ueberhaupt Bock auf diese Kunstausstellung hatte, aber wer mich kennt, der weiss, dass ich jeden ohne Gnade in Kunstmuseen schleppe. Echt, da gibt es keine Ausrede, ich muss da rein. Meine Begleitung kann immer gerne draussen warten, ich hab da auch alleine Spass dran, aber auslassen wuerde ich sowas nie. Ich wuerde sogar immer Eintritt bezahlen, und zwar nicht zu knapp, um mir moderne Kunst angucken zu koennen. Davon kann ja jetzt jeder mal halten was er will, Marius sitzt wahrscheinlich in deisem Moment vor seinem Computerbildschirm und zeigt mir nen Vogel, aber ist eben so.
Ich fand die Ausstellung jedenfalls sehr schoen.
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Als wir dann guten Gewissens behaupten konnten, alles wichtige im Te Papa gesehen zu haben, war es beinahe schon wieder Abendbrotszeit. Ja, das geht hier oft schneller als einem lieb ist, aber wir erleben dafuer ja auch so einiges. Also ging es wieder in den Supermarkt und dann ins Hostel, wo wieder Musik auf uns wartete. Dieses Mal nur nicht aus dem Laptop des britischen Paerchens, sondern von einem deutschen Backpacker, der sich zwei Wochen zuvor eine Ukulele zugelegt hatte und jetzt die drei Akkorde, denen er inzwischen maechtig war, ununterbrochen wiederholte. Waehrend ich dachte, dass der Steigbuegel in meinem Mittelohr sich gleich einen zu ihm passenden Gaul sucht und davonreitet, war Anne offensichtlich fasziniert von der vermeindlich schnellen Auffassungsgabe unseres Zimmergenossen und bestaerkte ihn wiederholt darin, weiterzuspielen, denn sie empfand es wohl als „so schoen beruhigend“. Wenn hier irgendwer haette beruhigt werden muessen waere das wohl der Mann mit der Ukulele gewesen, am besten mit vierzig Schlaftabletten, um dem Schrecken ein Ende zu setzen. Irgendwann hoerte er dann aber auch auf. Gott. Sei. Dank. Ich haette das nicht mehr lange ertragen, so viel lasst euch gesagt sein.
In der darauffolgenden Nacht schlief ich genau zwei Stunden. Fragt mich nicht, warum, war aber so.
Und wie sich das am naechsten Morgen so auswirkte, gibt es im naechsten Blogpost zu lesen!
Alles Liebe,
Klara

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